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Wallenstein 1630 in Memmingen
 

Leben und Wirken des Herzog von Wallenstein
Spiele vom 29.Juli bis 5.August 2012

Wallenstein Sommer 1630 in Memmingen

Der Herzog von Friedland, Mecklenburg und Sagan, Fürst zu Wenden, Graf zu Schwerin, der Lande Stargand und Rostock,
Admiral der baltischen und ozeanischen Meere, römisch kaiserlicher Feldoberst, der Generalisssimus des allergnädigsten Kaisers

ALBRECHT WENZEL EUSEBIUS VON WALLENSTEIN

Wallenstein 1630-Ein Sommer in Memmingen

Einen Sommer lang war Wallenstein in Memmingen. Das hat nachweislich seit dem Jahr 1900 Anlaß gegeben für eine Reihe von Festspielen,veranstaltet von Memminger Bürgern.
Zweifellos hat jener Sommer von 1630, als Wallenstein in Memmingen residierte, das Leben der Stadt und ihrer Bürger nachhaltig beeinflußt. In irgendeiner Weise waren damals alle Einwohner vom Aufenthalt des mächtigen Kriegsherrn und seiner Truppe betroffen, sei es zum Guten oder zum Schlechten. Chronisten haben davon berichet. Das Spektakel eines berühmt-berüchtigten, prunkliebenden Feldherrn muß damals der vorherrschende Eindruck gewesen sein. Wer aber war dieser Wallenstein, der in einer kurzen Episode auch in Memmingens Geschichte seine Spuren hinterlassen hat.

ALBRECHT WENZEL EUSEBIUS VON WALLENSTEIN

wurde am 24.September 1583 in Hermanitz bei Arnau an der Elbe geboren. Er stammt also aus Böhmen, einem Kronland des Habsburger Kaiserreiches. Wallenstein wird böhmisch- protestantisch erzogen. Früh verliert er seine Eltern und kommt unter Vormundschaft. Nach der Lateinschule und einem kurzen Gastspiel an der protestantischen Akademie Altdorf bei Nürnberg eignet sich der junge Mann während eines zweijährigen Aufentahlts in Italien eine gründliche humanistische Bildung an. Dann wird er mit 19 Jahren Edelknabe auf Schloß Ambras bei Innsbruck.

Hier entschließt er sich, zum Katholizismus überzutreten. Über die Gründe für diesen entscheidenden Schritt gibt es nur Legenden und Vermutungen. In den Jahren 1604 vis 1617 finden wir den jungen Wallenstein in kaiserlichen Diensten, als Fähnrich, als Hauptmann, als Obristen eines Regiments der böhmischen Stände; er wird Kämmerer am Kaiserlichen Hof in Wien. Seine Heirat mit einer reichen Witwe macht ihn zu einem mächtigen Magnaten in Mähren, der durch kluge Verwaltung nicht nur den Reichtum seiner Güter mehrt, sondern durch Entfaltung von Prunk und Pracht bei Besuchen in Wien auch sein Ansehen bei Standesgenossen und in Hofkreisen ins rechte Licht zu setzen versteht. Obwohl er in seinen Ländereien den Katholizismus und die Gegenreforation maßvoll fördert, genießt er auch beim mährisch-protenstantischen Adel hohes Ansehen.

Diese bisher völlig unpolitische Situation Wallensteins ändert sich sehr schnell, als 1617 der ihm schon bekannte Erzherzog Ferdinand von Steiermark König von Böhmen wird. Als unduldsamer Katholik leitet Ferdinand umgehend die Rekatholisierung Böhmens ein und zieht sich dadurch die rebitterte Gegnerschaft der böhmischen Stände zu. Mit dem "Prager Fenstersturz" von 1618 beginnen die protestantischen Böhmen gegen das katholische kaiserliche Habsburg den Aufstand, in den sich Mähren noch nicht einmischt. Wallenstein, als Oberst eines mährischen Regiments in Olmütz, nimmt jetzt eindeutig Partei: Er bietet dem bedrängten Ferdinand an, ihm sein Regiment gegen die böhmischen Rebellen zur Verfügung zu stellen. In Kürze zum kaiserlichen Obristen ernannt, führt er sein Regiment der kaiserlichen Armee 1619 zu. Daß dieser Schritt als Verrat an der böhmischen- mährischen Sache empfunden wird, liegt auf der Hand; entsprechend konsequent reagieren die mähriscshen Standeskollegen: Wallenstein wird des Landes verwiesen, alle seine Güter werden konfisziert.

In Böhmen setzen die protestantischen Stände ihren katholischen König Ferdinand ab und wählen den protestantischen Friedrich von der Pfalz zum König von Böhmen. Aber nur kurz danach wird derselbe Ferdinand von den deutschen Kurfürsten zum Kaiser des Reichs gewählt. Ferdinand II ist ein Kaiser ohne Macht, ohne Geld, ohne Ansehen, politisch und militärisch bedroht von allen Seiten.

Um dieses schwache Kaisertum zu stützen, wirbt der kaiserliche Oberst Wallenstein Regimenter auf eingen Kosten. Woher er das Geld hat, ist nur zu vermuten. Aber die Schlacht am Weißen Berg bei Prag 1620 bringt mit seiner Hilfe den Sieg der Kaiserlichen über den "Winterkönig". Und damit geht es mit Wallenstein steil aufwärts: Er wird Militärbefehlshaber von Prag, Mitglied des Hofkriegsrates, Mitglied der Kommission zur Bestrafung der böhmischen Rebellen-seiner Standesgenossen. Ein weiters hohes Darlehnen für die kaiserliche Kasse bringt ihm u.a. die Ernennung zum "Herzog von Friedland". Militärischer Ruhm kommt hinzu: auf seinem ersten selbständigen Feldzug schlägt er Bethlen Gabbor, den Unruhestifter im Osten des Reichs. 1622 wird Wallenstein "Gubernator des Königreichs Böhmen". als solcher betreibt er die militärische "Befriedung" Böhmens mit konsequenter Strenge und brutaler Disziplinierung und schafft damit rücksichtslos eine "Ordnung" auch zu seinen eigenen Gunsten: aus den beschlagnahmten Gütern der Rebellen läßt er sich als Entschädigung für seine Aufwendungen belehnen, er kauft und verkauft wieder und schafft sich so ein Besitztum, dass ihn in kurzer Zeit zum reichsten Mann in den kaiserlichen Erblanden macht.

Noch deutlicher als zuvor erweist er sich jetzt als kaufmännisches Genie, als genialer Spekulant; inteligent, weitblickend, ehrgeizig, raffgierig und rücksichtslos entwickelt er seine Struktur als geschlossener Wirtschaftsraum seiner Zeit weit voraus ist. Ermöglicht werden ihm diese Erfolge auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bankier Hans de Witte; hinzu kommt die gute Verbindung zu den engsten Kreisen um den Kaiser: Wallenstein heiratet 1623 als 40 jähriger Isabella von Harrach(21), die Tochter eines der nächsten Ratgeben Kaiser Frdinand II. Die politische und militärische Lage des Kaisers ist inzwischen immer kritischer geworden. eine europäisch-protestantische Koalition bedroht Habsburg im Westen und Norden ebenso wie Bethlen Gabor und die Türken im Osten, Und der Kaiser hat kein Geld, keine Macht, keine guten Ratgeber. Wieder kommt der reiche Wallenstein seinem Kaiser zur Hilfe. Seine Werber trommeln, und 1625 hat er eine Armee von 24000 Mann auf eigene Kosten beisammen. Allerdings fordert er jetzt sein "Conditionen"- und erhält sie, das Recht auf eigenständige und unabhängige Kriegsführung, die Ermächtigung zu selbständigen Verhandlungen und Abschlüssen; er will einziger General des Kaisers sein. Die Frage der Besoldung seiner Truppen löst er mit dem durch ihn berühmt berüchtigt gewordenen Kontributions-System in Verbindung mit de Witte, den Ländern in denen seine Heere operieren, preßt er die Gelder ab, mit denen er die Kredite an de Witte zurückzahlt. Wallenstein sorgt für pünktliche Soldzahlung, für Belohnungen und Beförderungen; so hat seine Armee trotz scharfer und grausamer Disziplin Zulauf aus aller Herren Länder. Hinzu kommt ein Charisam, das dem "Friedländer" als Soldatenführer zweifellos zu eigen gewesen sein muß und das seine Begabung als Feldherr ergänzt und unterstützt.

Mit seiner Armee und in dieser Führungsposition gelingt es Wallenstein in den Feldzügen der folgenden Jahre, die Gegner des katholischen Kaiser aus dessen Reich zu vertreiben. Auch strategisch ist er dabei seiner Zeit voraus: Er sucht nicht unbedingt die Schlacht, sondern kann abwarten, die Gegner ausmanövrieren, den "Krieg kleinhalten". Sein Ziel ist ein erstarktes Reich unter kaiserlicher Führung, in dem religiöser Friede herrscht.

1629 kommt es zum maßvollen Friedensschluß von Lübeck

Wallenstein steht jetzt auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn: Er wird Herzog von Mecklenburg, General des ozeanischen und baltischen Meeres, er erhält den Orden vom Goldenen Vlies, die höchst zu vergebene Auszeichnung. Aber er bekommt auch immer stärker Neid, Eifersucht, Unverständnis für seine politisch-militärischen Ziele zu spüren. Längst hat ein "Mobbing" gegen ihn eingesetzt. die katholischen Kurfürsten, einflußreiche Ratgebeer des Kaiser, Truppenfüher, die sich zurückgesetzt fühlen, intrigieren gegen den Generalissimus, den Emporkömmling aus Böhmen. Wiederholt bietet der dem Kaiser seinen Rücktritt an; ob das aus echter Resignation geschah, darf bei seinem erhgeizigen Machtkalkül bezweifelt werden. Aber er macht Pause: 1629 verläßt er das ausgepowerte Mecklenburg; er sieht in seinem böhmischen Besitzungen nach dem Rechten, geht zur Kur nach Karlsbad. Und Ende Mai 1630 zieht er mit viel Gefolge und großem Prunk in der Reichsstadt Memmingen ein und nimmt im Fuggerbau Quatier.

Was hat ihn wohl bewogen, Memminge zum Aufentahlt zu wählen? Die Reichsstadt liegt günstig für seine politisch-militärischen Planungen. Von hier aus führen gute Verbindungen nach Italien; die Rheinprovinzen, Frankreich und die Niedrelande liegen nahe; auch Regensburg, wo der Reichstag zusammentriff, ist nicht weit. tatsächlich spinnt Wallenstein von Memmingen aus seine politischen Fäden weiter. Er besucht den Erzherzog Leopold in Innsbruck; er empfängt den päpstlichen Nuntius Rocci; den französischen Emissären Leon de Bruslart und Pere Joseph, die nach Regensburg zum Reichstag unterwegs sind, schickt er ein Geleit entgegen und beherbergt sie; und 50 Tage lang hat er den Prinzen Ulrich von Dänemark samt Gefolge zu Gast und bietet ihm sogar einen protestantisschen Gottesdienst, In der übervollen Stadt muß also ein bewegtes Leben geherrscht haben.

Dazu der Chronist Michael Laminit, Pfarrer bei St. Martin und Superintendent:.....Ist alles bey 1100 pferd und 1300 Menschen, so er alhie bey sich hatt, ein schön stattlich woll gebuztes luistiges volckh. haben aber ein solches sodomistisch unzüchtigtes, viehisches hurenleben geführt, daß gleichen in dißer statt nit vill ist gehört worden, hat dennoch niemand dorffen sagen, daß sie unrecht thun..........

Der Stadtschreiber Sebastion Dochtermann setzt etwas andere Akzente:
".....Sechzehn Wochen ist der Herzog allhie gelegen, hat ein stattlich Regiment gehalten, und der Stadt ist nichts geschehen, alle ist ganz wohlfeil geworden und alles ist wohlgeraten, und solang der Herzog in der Stadt gelegen, ist Glück und Heil gewest.

Einen Sommer lang also Ruhe und Frieden in der Stadt, aber unter der einernen Faus des Fürsten, unter übermächtiger Besatzung, unter der Angst vor der Gewalt und der Bedrohung durch Willkür und Übergriffe; einen Sommer lang aber auch viel Treiben. Memminger Bürger späterer Generationen haben es zum Anlaß für ihr Wallenstein-Spiel genommen.
Der Fürst selber ist ein "stiller Herr" gewesen, der sich in seiner Umgebung alles Laute und Lärmende verbat; von strohumwickelten Karrenrädern wird berichtet, vom Verbot des Glockenläutens, des lauten Unterrichtens in der benachbarten Schule, de Schreiens und Lärmens in den Gassen. Übergriffe seiner Leute ahndet er mit grausamer Strenge. Dem ehrsamen Handwerk ist er wohlgesonnen, sofern es gute Ware liefert.

Zwei wichtige Ereignisse fallen in Wallensteins Sommer in Memmingen. Sein Geldbeschaffer, der Bankier de Witte, wird zahlungsunfähig, weil das Kontributionssystem nicht mehr genug einbringt; der Bankier nimmt sich aus Verzweiflung das Leben. Wallensteins Reaktion: Er will mit dem "ehrvergessenen Schelm" auf einmal nichts mehr zu tun haben; aber das Wertvolle aus seinem Nachlaß läßt er umgehend für sich sichern.

Dann erreicht den Fürsten, was für ihn kaum eine Überraschung gewesen sein kann: seine Entlassung aus Kaiser Diensten. er nimmt sie sehr gelassen entgegen, beschenkt die Überbringer fürstlich. Die Schuld für seine Absetztung schreibt er nicht dem schwachen Kaiser zu, sondern sinen zahlreichen Gegnern.
Am 23. September 1630 zieht Wallenstein aus Memmingen ab. Er hinterläßt zwei Stifungen für Arme und Bedürftige; er hinterläßt aber auch Erinnerungen an seinen "Sommer in Memmingen" die sich Jahrhunderte später zum legendenhaften Nachspielen verdichten.

Nach dieser Memminger Episode wurde Wallenstein noch einmal vom Kaiser in seiner höchsten Not gerufen, als der protestantische Schwedenkönig Gustav Adolf das Reich bedrohte. Wallenstein erhält noch mehr Vollmacht als vor seiner Absetzung. Er scheitert schließlich nicht militärisch, sondern politisch. Seine Vorstellungen vom machtvollen, auch religiös befriedeten Kaiserreich bleiben utopisch, und der Übermächtige scheitert an den Intrigen seiner Gegner.

Am 25. Feburar 1634 wird Wallenstein in Eger/Böhmen ermordet.

Auszug aus dem Geschichtsbuch Wallenstein-Sommer 1630 in Memmingen, Herausgeber: Fischretagsverein Memmingen e.V.
Texte Adalbert Hertel, Hermann Pfeifer, Druck Memminger Zeitung Vrelagsdruckerei GmbH Schrannenplatz 6, 87700 Memmingen