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Historische Altstadt von Memmingen
 

Historische Altstadt Memmingen

Stadtführungen Marktplatz 3 87700 Memmingen Tel. 08331 / 850-172 u. -173 Fax 08331 / 850178

In der schriftlichen Dokumenten ist von 'Memmingen' erstmals in einer Urkunde von 1128 die Rede, in der von einem 1099 hier stattgefundenen Hoftag des bayerischen Herzog Welfs IV. aus dem Geschlecht der Welfen berichtet wird.
Die Entwicklung der welfischen Siedlung setzt siedlungsgeschichtliche und verkehrpolitische Traditionen voraus, die in die Alemannen und Römerzeit zurückreichen. Bereits in römischer Zeit befand sich hier an der Römerstraße zwischen Kempten und Kellmünz ein kleiner Burgus auf der Anhöhe der späteren Martinskirche. Namensforscher vermuten, dass die Sippe eines legendären Mammo der frühmittelalterlichen Siedlung ihren Namen gab.
1131 brannten die Staufer bei einer der zahlreichen Kriegszüge Memmingen als Teil des welfischen Besitztums nieder, bei Grabungen stößt man in ca. 1,5 m Tiefe noch auf Brandspuren. Im Winter, nach den Wiederaufbau trafen sich in Memmingen die damals mächtigsten Herren Deutschlands: Herzog Welf VI., Heiricht der Löwe und Friedrich Barbarosa, wahscheinlich wohnte sie auf dem höchsten Punkt der Siedlung, am Martin Luther-Platz oder an dessen entgegengesetzten Ende in der Kalchstraße beim Ratzengraben, wo im Anwesen Natterer der sog. Welfenturm auf ein historisch bedeutendes Bauwerk hinweist.Im Wegbachviertel um die Frauenkirche und um einen nicht näher lokalisiebaren Königshof entstand schon früh eine eingenständige Siedlung, die bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts mit der Stadt verschmolz. Damit verdoppelte sich das Stadtgebiet. Überflüssig gewordene Gräben wurden zugeschüttet, die Bebauung am Roß und Weinmarkt begann. Ein letztes Mal noch wurde der Mauerring erweitert, und zwar um die Ulmer Vorstadt-ein risikoreiches Unternehmen, musste doch die östliche Mauerpartie wegen seiner tiefen, sumpfigen Lage auf viel Pfähle gestellt werden.
Mit der Errichtung des Ulmer Tors 1445 war die äußere Stadtentwicklung abgeschlossen. Memmingen hattte eine Ausdehnung erreicht, die bis ins 19. Jahrhundert hinein Bestand hatte, eine 2,8 Kilometer lange und acht Meter hohe Mauer mit zahlreichen Türmen umfasste die Stadt und bot zum Ende des 18. Jahrhundert etwa 6000 Seelen Schutz. Sechs Tore - Ulmer Tor, Einlass, Kalchtor, Kemptner Tor, Lindauer Tor und Westertor.

Verfassungsrechtlich wurde Memmingen im 15. Jahrhundert zu Reichsstadt. 1403/1438 erlangte sie das Recht zur Blutgerichtsbarkeit und konnte diese später auf der Basis der Grundherrschaft des seit 1367 städtisch beaufsichtigten Spitals auch auf umliegende dörfliche Gemeinschaften ausdehnen.

Memminger Aquarelle(Der Einlaß)

Der Einlaß im gotischen Baustil

Der Einlaß ist einer der schönsten Tore der Stadt in gotischer Bauweise von 1475. Durch dieses Tor konnte man auch Nachts, nach Torschluß, gegen eine Gebühr in die Stadt gelangen. Er gehört zur Umwehrung der nordwestichen Vorstadt, die fast vollständig erhalten ist. Zwei Torwärter überprüften jeden eintretenden und öffneten danach schleusenartig die einzelnen Torflügel. Das idyllische Aussehen des breiten Torturmes reizte schon Carl Spitzweg, der ihn 1841 in einr Bleistiftzeichung verewigte. 1952 war er Filmkulisse für den Film "Zwerg Nase" (mit Hans clarin)

Bettelturm

Der Bettelturm wurde 1471 als Bastionsturm zur Verteidigung der Reichsstadt Memmingen im Zuge der Wehranlage erbaut. Später wurde der Turm als Behausung für arme Leute verwendet.

Memminger Aquarell (Bettelturm)

Bettelturm

Ansicht aus dem Luginsland, von der Nordwestseite

Scharfrichterhaus (An der Kaserne 28)

Ganz an die Stadtmauer gedrückt steht das Haus des Scharfrichters 1350 hatte König Karl IV der Stadt das Recht verliehen, den Ammann (schweizerische Bezeichnung für Amtmann, das Oberhaupt der Exekutive) als bisherigen Vertreter des Königs und ab 1403 Träger des Blutbannes selbst zu bestimmen. Zu den Aufgaben des Scharfrichters, in Memmingen erstmals 1428 erwähnt, zählte neben Foltern und Hinrichten der Delinquenten auch das Reinigen der Stadtmauer, das Schinden kranker Tiere und das "Schlagen" tollwütiger Hunde. Freie Wohnung, eine Provision pro Hinrichtung waren seine offiziellen Einnahmen. Auch durfte er die Kleidung der Hingerichteten behalten. Zur Ausübung seines Berufs war die Ablieferung eines Meisterstücks notwendig. Die musste mit dem Schwert ausgeführt werden. Für das Jahr 1767 ist der ungewöhnliche Fall belegt, dass die Witwe des Scharfrichters Widmann den Rat um Fortführung des "Unternehmens Scharfrichter" bat, was ihr auch sechs Jahre genehmigt wurde.
Richtstätten
Südlich der Altsadt an der Landstraße nach Kempten beim Schanzmeister befand sich die 1760 erneuerte Richtstatt. Auf einer weithin sichtbaren Anhöhe im Osten (nörlich Memmingerberg) stand der Galgen als Symbol reichsstädtischer Landeshoheit. 1762 wurde ein neuer dreibeiniger Galgen auf der Dickenreiser Anhöhe, im Süden der Richtstatt erbaut. Erträkungen fanden im nahegelegenen Katzenweiher statt. Hochgestellt Persönlichkeiten hatten das Privileg, auf dem Marktplatz hingerichtet zu werden. Mit der Mediatisierung der Reichsstadt 1802 gingen Landeshoheit und Hochgerichtsbarkeit verloren. Richtstatt und Galgen wurden abgebrochen. Die letzte Hinrichtung fand hier am 7. Juni 1834 statt. Unter den Augen von bis zu 20.000 Schaulustigen verlor Ursula Brandmüller hier ihr Leben. Am Fischertag 1833 hatte sie ihren Ehegatten vergiftet, während ihr Geliebter das gleiche Verbrechen an seine Frau verübte. Durch umlaufende Gerüchte aufgeschreckt, sah sich der Rat veranlasst, einzuschreiten. Um einer Verhaftung zuvorzukommen, erhängte sich der Mörder; der bereits begrabene Ehemann Brandmüller wurde exhumiert. Als bei der Obduktion Arsenspuren entdeckt wurden, folgte die Verhaftung Ursula Brandmüllers. Sie gestand den Mord und wurde zur Hinrichtung mit dem Schwert verurteilt.

Großzunft (Marktplatz 4)

Reiche Kaufmannsleute hatten hier eine Trinkstube (1453) Nach dem Abbruch errichtete Stadtbaumeister Johannes Wannenmacher um 1718 einen Neubau, der eine Vielzahl städtischer und staatlicher Behörden beherbergte. Das Chrongramm über dem Eingang lautet: "TV PATRIAM ET PROCEREIS CONSERVA IN FOEDERE IOVA" (Erhalte du, Jehova (Gott) die Vaterstadt und die Adeligen im einträchigen Bunde)

Steuerhaus (Marktplatz 16)

1494/95 wurden beim Neubau des Steuerhauses ältere Kramerläden in seine 20 Bögen integriert. In den oberern Geschossen hatten der geheime Rat und die Finanzverwaltung ihren Sitz. Jährlich wurde die Bürgersteuer erhoben, wobei sich jeder Bürger selbst veranlagte und beschwören musste, sein Hab und Gut aufrichtig anzugeben. 1522/1563 wurde das Haus um insgesamt 3 Bögen verkürzt und 1708 um ein Stockwerk erhöht.

Hexenturm(Schlossergasse)

Als ältester von ursprünglich drei Gefängnistürmen gehört der erst im 19. Jahrhundert sogenannten Hexenturm (Folterturm) zu den frühesten Befestigungsbauten der Stadt. Hier saßen die als "Hexen" beschuldigeten Personen bis zu ihrem Gerichtstermin ein. In Gerichtsunterlagen sind drei Phasen der Hexenverfolgung erwähnt: 1575, ab 1646 und 1663.

Ulmer Tor (Ulmer Straße)

Seit 1936 bildet das Ulmer Tor die nördliche Begrenzung der Stadt und ist damit das jüngste der Memminger Stadttore. Die in Ulm gegossene Glocke krönt seit 1627 das Tor und trägt die Inschrift: "Die Stund und die Zeit ich schlag und leit, Mensch mach dich bereit, die Stund ist nit weit". Die Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation versinnbildlicht der an der Außenseite des Tore angebrachte Doppeladler. An der Innenseite (Foto) findet sich seit 1956 ein großes Wandgemälde, das den Einzug König Maximilians I 1498 mit Fahnenträgern des Georgsordens , Burgunds und des Reiches zeigt.

Küchlinhaus(Zwinggasse 2)

Bürgerliches Wohnen in der Zeit des 16.Jahrhunders vermittelt das Küchlinhaus, benannt nach Eilias Friedrich Küchlin (gest. 1836) einem Maler kleinbürgerlicher Idylle, der in deisem Stadtviertel lebte. Seine charmanten und heiteren Darstellungen des Lebens am Ausklang der Reichstadtzeit sind bekannte Memmingen Motive. am Küchlinhaus findet sich eine für die damalige Zeit typisches Verzierung, der sogenannte "Eselsrücken" (Korbbogenfries auf Konsolen).

Parishaus (Ulmer Straße 9)

Kleinere barocke Bauten, wie das Hartliebhaus in der Kramerstaße zeigen das aufkommende Interesse der vermögenden Bürgerschaft an der Errichtung neuer und moderner Architektur. Aber erst mi dre Errichtung des Parishauses kam es 1736 in Memmingen zum Bau eines großen Palais. Die Fassage mit ihren Pilastern, Putten und Büsten wird duch eine Mittelkartusche mi Chronogramm "TEMPORE COLLAPSAS RVRSVS PAX EXSTRUVIT AEDES". Das mit der Zeit verfallenen Haus wurde durch Anton Freidrich Paris (1683-1756) renoviert. Nachdem er sich in Memmingen niedergelassen hatte, erhielt er 1709 das Bürgerrecht. Seinen raschen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte er auch seinen drei Ehefrauen, die aus den angesehensten Memminger Familien stammten. Nach dem Tod seines Enkels Georg Onophrius, der wichtigen (reichs) städtischen Kollegien angehörte, fiel das Haus an die Familie seiner ersten Ehefrau von Ehrhart. Seit der Sanierung 1980-83 durch die Memminger Wohnungsbaugenossenschaft erstrahlt es wieder im barocken Glanz.

Mehlsackturm(Grimmelschanze)

Seine Zinnen verhalfen dem 1445 errichteten Wehrturm zu seinem zweiten Namen (Schwalbenschwanzturm) Südlich des Wehrturm befand sich die Achillessehne der Stadtverteidigung. Der "tote Winkel" an der Stelle, wo sich alter und neuer Mauerzug (Ulmer Vorstadt) trafen,machte 1632/34 den Bau einer "Großen Schanze" (Verteidigungsring) erforderlich.

Künerhaus (Neubau) (Künergasse 2)

Im hier einst stehenden Vöhlinschen Haus quartierte sich Kaiser Friedrich III ein, als er 1485 Memmingen besuchte. Dass ein kaiserlicher Besuch nicht ohne Auswirkungen auf die städtischen Finanzen bleiben konnte, zeigen die dargebotenen Geschenke: Bargeld, Silbergeschirr; Wein, 150 Fische und vieles mehr. Johann Jakob von Küner (1697-1764, ab 1729 kaiserlicher Rat und erfolgreicher Bankier in Wien. kehrt 1738 in seine Heimatstadt Memmingen zurück und begann 1744 mit der Fertigung von Fayencen. 1984 wurde es durch einen Neubau ersetzt.

Schwanen (Kalchstraße 27)

Ab 1490 befand sich auf diesem Areal die Werkstatt von Ivo Strigel. Als Wirtschaft und Herberge wird das Haus schon 1520 erwähnt. Ab 1635 war hier ein Ableger der Thurn und Taxischen Post untergebracht. Der heutige Gasthaus wurde 1711 mit den vier Pfeilern und dem Giebel mit korbbogigen Arkaden neu erichtet. Oben am Giebel kann man noch eine stilisierte Krone erkennen, da der Gasthof damals "Zur Krone" hieß. An der wichtigsten Handelsstraße Richtung Augsburg und München gelegen, entwickelte es sich zu bedeutendsten Gasthaus der Stadt. Neben Gästen wie Prinz Eugen, Pinz Karl von Lothringen oder dem Herzog von Braunschweig logierte hier auch Baron von Syberg.

Dreikönigskapelle (Kalchstraße 29)

Um die existentiellen Nöte der Einwohnerschaft kümmerten sich vor allem wohltätige Stiftungen, So stiftete 1399 Nikolaus Tagbrecht ein Seelhaus mit Kapelle für vier arme Menschen. Den Unterhalt dieser Bedürftigen dienten die Erträgnisse aus dem Dorf Lauben. Die unter dem Erker bzw. Glockentürmchen angebrachte Jahreszahl 1448 nimmt Bezug auf die Erneuerung des Hauses das damals noch ein Stockwerk niedriger war. Die Versorgung der Spitalinsassen war reichlich, wenn auch einseitig, fast täglich "Brennntmus, Suppe und Birnschnitz. Der Vitaminbedarf wurde im Winter fast ausschließlich durch Sauerkraut gedeckt. In der Reformationszeit wurde die Kapelle profanisiert, als Leichenhalle genutzt und schließlich Singstätte der Memminger Meistersinger. Ab 1814 dienten Kapelle und Pfründehaus als Pferdestall für den Wirt des Weißen Rosses.

Salzstadel (Salzstraße 3-5)

Entlang der Salzstraße liegt der langgestreckte Bau des Großen Salzstadels. 1470-74 für das von Bad Reichenhall angelieferte Salz neu errichtet. Die Bedeutung des Salzhandels für die Stadt war groß, Memmingen besaß seit 1711 das Vertriebsmonopol für bayerisches Salz bis in das Bodenseegebiet und den Schwarzwald. Im Erdgeschoss befanden sich die Lagerstätten, in den obigen Räumlichkeiten versammelten sich die Kaufmannsgesellschaft "Zum Goldenen Stern". Die Bedeutung des Salzstadels zeigt sich auch darin, dass z.B. 1468 die Eidesleistung der Bürgerschaft vor dem Rat nicht wie früher in der Augustinerkirche sondern auf dem Salzstadel stattfand.

Kreuzherrenkloster (Hallhof 5

Die Entstehung de Heilig-Geist Ordens (Chorherren nach den Regeln des Hl. Augustinus. sogenannte Kreuzherren) ist eng mit dem Wirken Papst Innozenz III. verbunden. Er verlegte den Sitz nach dem Tod der Ordensgründers, Guido von Montpellier nach S. Spiritus in Sasia (Rom) Dem römischen Haupthaus unterstanden im 15. Jahrhundert ca. 750 v.a. französische und italienische Klöster. Heinrich von Neuffen gründete zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Memmingen ein Spital, stattete es mit Grundbesitz aus und übergab es dem Heilig-Geist-Orden-Vergleichbar mit der Entwicklung in anderen Städten, gelang es der Reichsstadt Memmingen 1317/65, die Kreuzherren aus der Verwaltung des Spitals zu drängen und den Gebäudekomplex zu teilen. Das Kloster unter Leitung des Spitalmeisters verblieb in den oberen Räumen (Oberhospital) die zweischiffige, keruzgratgewölbte "Dürftigenstube" im Erdgeschoß (Unterhospital) bildet einen westentlichen Baustein der reichsstädtischen Sozialpolitik. Zur Grundherrschaft des Unterhospital gehörten in Memmingen Umgebung die Dörfer Buxach, Dickenreishausen, Volkratshofen, Steinheim, Memmingerberg, Unter-Holzgünz, Frickenhausen, Arlesried und Woringen. die Unterhospitalstiftung besteht bis heute als Trägerin sozialer Einrichtungen. auch naach dre reichsstädtischen Reformation blieb das Kloster in religiöser und kultureller Hinsich von prägender Bedeutung 1616/17 baute Conrad Hölderlin das Spitzdach des im 15. Jahrhundert errichteten Turmes zu einem oktogonalen Geschoss mit Zwiebeln um. Die barocken Stuck- und Holzdecken stammen aus der Umbauzeit 1675 bis 1681. Nach der Aufhebung des Klosters wurde alles Mobiliar verkauft und die Räume duch das Hallamt genutzt. Heute ist im Unterhopital (Untergeschoß) ein Cafe untergebracht.

Kreuzherrensaal (Hallhof) 5

Die spätgotisch und zweischiffige Kirche St. Peter und Paul von 1480 wurde 1709 barock umgestaltet. Der Stuck stammt aus der Hand des Ettringer Stuckateurs Matthias Stiller aus der Wessobrunner Schule. Die Fresken schuf der Memminger Maler Johann Friedrich Sichelbein in deren Mittelpunkt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes steht. Nur knapp dem Abbruch entgangen erfolgte 1822.24 der Umbau des Kirchenraumes zu Lagerhalle mit klassizistischer Außenfassade und Zwischendecke. Seit 2003 ist der renoviete Kreuzherrnsaal die wichtigste barock Sehenswürdigkeit Memmingens. Noch bevor die Kunst der Wessobrunner"Gypser" in den Köstern zu Ottobeuren und Buxheim Einzug hielt, konnte sie sich in der Kirche des Memminger Heilig-Geist-Spitals in verschwenderischer Fülle etablieren. Das Kloster-in der Reformationszeit nur knapp der Auflösung durch den Magistrat entgangen-hatte es in der protestantischen Reichsstadt nicht immer leicht gehabt. Daher mag der Spitalmeister Sigismund Teufel neben dem monastischen Bautrieb seiner Zeit auch von der Idee erfüllt gewesen sein, die Präsenz der Katholischen Kirche in Memmingen durch erhöhte Prachtenentfaltung zu unterstreichen. So ließ er die gotische Kirche St. Peter und Paul in den Jahren 1709-11 im Still des Hochbarock umgestalten, d.h. die Gewölberippen in der zweischiffigen Halle herausnehmen, die Spitzbogenfenster umbauen und den Raum in einer nie zuvor erreichten Dichte der Formen (Hugo Schnell) stuckieren und mit Malereien prächtig auszieren.

Einhornapotheke (Kramerstraße33)

In wesentlichen Teilen aus dem 16. Jahrhundert stammend, wurde die Fassade Anfang des 19. Jahrhunderts klassizistisch umgestaltet. Die elegante Stuckdecke im Inneren der Apotheke datiert um 1730. Vieles von der wertvollen historischen Inneneinrichung ist noch erhalten. Die Einhorapotheke ist die älteste Apotheke in Memmingen, die - eine bereits 1489 erwähnte Apothekertradition fortführend- 1564 von Ludwig Conrater in diesem Haus gegründet wurde und bereits 1576 eine eigene Wasserleitung besaß. Das Einhorn- dargestellt am Dach und auf den renovieten Terrakottafließen- steht seit jeher in enger Verbindung mit Apotheken. Nach Plinius befindet sich unter dem Horn der Karfukelstein, der alle Krankheiten heilt.

Elsbethenkloster (Theaterplatz 2/4/6

Benannt nach der Landgräfin Elisabeth von Thüringen ging das Kloster Mitte des 13.Jahrhundert aus einer Gemeinschaft von Frauen hervor, die sich der armen und Krankenpflege widmeten. Nach Gründung des Augustinereremitenklosters (heute St. Johann) um 1280 ging die Seelsorge über die Franziskanerinnen an dieses über. Der wachsende Wohlstand des Kosters führte ab 1472 zu um und Neubauten der Kirche, Kreuzgang und Kloster. Seit der Mitte des 15. Jahrhundert entwickelte es sich zur Versorungsstätte für unverheiratete Töchter aus Geschlechterfamilien. Dass es 1519 von 24 Nonnen gab, lässt auf ein reges Klosterleben schließen, doch bereits fünf Jahre später baten einige von ihnen den Rat, das Kloster zwecks Heiratsabsichtgen verlassen du dürfen. die Auflösung des Klostern 1529 erfolgte im Zuge der Einführung des neuen Glaubens in der Reichsstadt, Das Klostergebäude wurde zunächst zu Almoslenkasten, schließlich ab 1572 zur Lateinschule samt Wohnung des Rektors. Im Gefolge bayerischer Schulreformen zogen 1805 die protestantischen und katholischen Volksschulklassen ins Schulhaus ein. Das Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert machte einen Umbau des Gebäudes und schließlich 1902 die Auslagerung der Knabenklassen erforderlich. 1995 wurde die "Elsbethenschule" in einen Neubau neben der Bismkarckschule am St. Josefskirchplatz verlegt. Von der ehemaligen Klosterkirche sind nunmehr Grundmauern, der Kreuzgang und das Tor aus Tuffsteinen erhalten. Im nördlichen erhaltenen Kreuzgang er 1472 erbaut wurde, befinden sich von Hans Strigel eine Ansicht Jerusalems in der Gestalt Memmingens

Roterhaus (Rotergasse 2)

Seit 1485 im Besitz ds Prämonstratenserklosters Rot an der Rot, ließ Abt Balthasar Held das Haus in seinre jetzigen Form im Jahr 1606 errichten. Solch ein Stadthaus diente nicht nur repräsentativen Zwecken, in Kriegszeiten konnte hier auch der Kirchenschatz in Sicherheit gebracht werden.

Rote Kaserne(An der Kaserne 20)

In der Kaserenengasse wird man an eine Zeit erinnert, in der die Reichsstadt Memmingen bayerisch war. Für seine Regimenter ließ Kurfürst Max Emanuel zwischen 1702 und 1704 neben dem sog. Soldaten- oder Kasernenturm zwei langgesteckte Kasernen an der Stadtmauer errichten, wonach eine 1898 einem Brand zum Opfer fiel.

Kemptner Tor (Kemptner Straße 36/38)

Als vorletztes der großen Stadttore wurde 1393 das Tor nach Kempten fertiggestellt, nachdem das alte Kemptner Tor in der Weberstraße abgebrochen war. 1543 zog Kaiser Karl V. mi 5000 spanischen Soldaten hinduch. Der freundliche Empfang durch Rat und Bevölkerung stimmte den Kaiser gnädig, war er doch seit Einführung der Reformation nich gut auf Memmingen zu sprechen. Zu Ende des 19. Jahrhunderts sollte das Kempter Tor wie Notzentor oder Kalchtor dem modernen Verkehr weichen. Dem Eingreifen von Prinzregent Luitpold 1891 ist seine Erhaltung zu verkanken.

Bauernartikel (Maximilianstraße/Weinmarkt

Die Frondienste und Abgaben der Bauern waren im Laufe der Jahrhunderte ins Unerträgliche gestiegen. Lösungsansätze boten die reformatorischen Predigten Christoph Schappelers, der mit seinen Forderungen nach Abschaffung des Zehnten und der Leibeigenschaft auf Gehör stieß. Den Memminger Bauern, die sich im Februar 1525 in zehn Artikeln an der Rat wandten, wurden weitgehnde Zugeständinisse eingeräumt; der Ruf Memmingens als bauernfreudliche Stadt war begründet. Dies erkärt wohl auch, warum sich die 50 Abgeordneten der aufständischen Bauernhaufen, des Baltringer, See- und Allgäuhaufens am 6./7. März 1525 in der Memminger Reichsstadt und hier im größten Versammlungsort, der Kramerzunftstube, versammelten, zur "Christlichen Vereinigung" zusammenschlossen und die sog. "Zwölf Artikel" als Grundlage für Verhandlungen verabschiedeten. Sebastian Lotzer, ein aus Horb gebürtiger Kürschner und "Laientheologe" stellt zusammen mit Dr. Schappler die Forderung der aufständischen Bauern zusammen. Sie machten die Heilig Schrift, als göttliches Recht, zur Grundlage ihrer Anliegen: Recht der Gemeinden zur Wahl ihrer Pfarrer, die vom Ertrag der Großzehnten versorgt werden sollen, Abschaffung des Kleinzehnten und der Leibeigenschaft, Freigabe von Jagd, Fischerei und Waldnutzung, Bemessung der Frondienste und Gültabgaben, Abschaffung der Todfallabgaben-die Zwölf Bauernartikel sind "Beschwerdeschrift, Reformprogramm und revolutionäres Manifest" (Peter Blickle). Die Artikel verbreiteten sich in gedruckter Form in Windeseile, 25.000 Stück innerhalb weniger Monate. Allerding gerieten sie nach der blutigen Niederschlagung des Bauernaufstandes durch den Schwäbischen Bund weitgehend in Vergessenheit. Während Lotzer und Schappeler fliehen konnten, wurde Memmingens Lateinschulmeister Paul Hoepp wegen seiner Sympathie mit den Bauern hingerichtet. Im 20. Jahrhundert entdeckte die Geschichtswissenschaft in den Zwölf Artikeln Wurzeln moderner demokratischer Verfassungen. Der " Memminger Freiheitspreis 1525", erstmals 2005 an den ehemaligen ungarischen Außenminister g. Horn verliehen, ehrt deshalb um Freiheit und Demokratie verdiente Persönlichkeiten.

Lindauer Tor und Torwärterhäuschen (Lindauer Straße 30)

Memminger Altstadt Aquarelle(Lindauer Tor)

Um 1371 entstanden, ähnelte das Tor ursprünglich dem Kempter Tor. Als bayerische Truppen 1647 die Reichsstadt belagerten, befanden sich hier neben den 6000 Stadtbewohnern auch ca. 4.700 Bauern, die mit ihrem Vieh in die Stadt geflohen waren, Etwa 5000 Kanonenkugeln gingen auf die Stadt nieder und zerstörten neben einigen Wohnhäusern auch das Wester-Kalch-und Lindauer Tor sowie vier Türme zwischen Lindauer Tor und Hoher Wacht. Nach dem Abzug der schwedischen Besatzung am 15. November 1647 ließ der bayerische Stadtkommandant Tore, Türme und Stadtmauer wieder aufbauen. Vor dem Lindauer Tor steht noch heute das kleine Häuschen des Torwärtern

Frauenhaus/Bordell (Weberstraße54)

In vielen Städten ab dem 13. Jahrhundert gab es Frauenhäuser die der Oberhoheit des Rates sowie der Landesherren unterstellt war. Der Bordellbesuch wurde unverheirateten Männern gestattet. Den Ehemännern, Klerikern und Juden allerdings strikt untersagt. Die Erlasse (Gesetze) sprachen den Frauen feste Verpflegung und Unterkunft, Kleidung, Lohn, Arbeitsschutz bei Menstruation, Schwangerschaft und Krankheit sowie der Erlaubnis zum Kirchenbesuch zu. Die meisten Dirnen waren auch am solzialen Leben mehr oder weniger beteiligt, durch die Teilnahme auf Hochzeiten und Festen, auf Tanzvorführungen vor den Landesherren und hochstehenden Gästen. Der Bordellwirt durfte die Frauen offiziell nicht schlagen, doch die Wirklichkeit sah meist anderst aus, wie aus Gerichtsurteilen zu entnehmen ist. Bis es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kam, musste die Frau schon sehr wehrhaft sein, die meisten Dirnen waren froh mit ihrer "Arbeit" ein tägliches Auskommen zu haben. Alledings wurden viele Dirnen durch skrupellose Wirte regelrecht ausgebeutet und bei einer Schwangerschaft zu ratikalen Abtreibung durch Einnahme von giftigen Kräutern gezwungen, bei denen viele an den folgen einer Vergiftung starben. Die Dirne brachte in der Schwangerschaft weniger Ertäge, bei gleichen Unkosten. Konnte die Dirne eine Geburt vereiteln, mussten sie alle ausstehende Schulden gegenüber dem Wirt begelichen und das "Frauenhaus" in einer vorgegebenen Zeitspanne verlassen. Damit die "varenden frawen"- so ihre Bezeichung 1382-ordentlich ernährt und im Krankheitsfall gepflegt wurden, hatte ein "Frauenwirt" das reichstädtische Bordell zu leiten. Für das Jahr 1454 ist überliefert, dass der Rat den Frauen ein Neujahrsgeschenk zukommen ließ. Bereits zum Ende des Mittelalters änderte sich die Funktion des Hauses. Nach der Reformation wurden hier Pestkranke untergebracht und täglich mit Suppe, Fleisch , Gemüse und Wein verpflegt.

Alter historicher Friedof von St.Martin

Apother Dr. Lukas Conrater schlug 1521 angesichts der Pest dem Rate vor, die Friedhöfe bei St. Martin, Unser Frauen und im Spital vor die Tore der Stadt zu verlegen, um eine Seuchengefahr zukünftig zu verringern. Als Standtort wurde die im 14. Jahrhundert erwähnte St. Leonhardskapelle samt Siechen- und Bätternhaus (Augsburger Straße/Blatterngasse) erworbern, in dem an Pocken, Diphterie, Syphilis oder Cholera Erkrankte untergebracht wurden. 1528 errichtete die Reichsstadt schließlich den neuen Freidhof auf dem Areal des um 1180 von Welf VI gestifteten Schottenklosters St. Nikolaus, das sich nur spärlich entwickelt hatte. Im Zuge des Memminger Bevölkerungswachstums in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde 1867 eine große Erweiterung des Freidhofes notwendig und durch Stadtbaumeister Karl Bandel eine Leichenhalle errichtet. Nach Eröffnung des Waldfriedhofes schloss die Stadt ihren Alten Friedhof 1920. Heute vermitteln hier noch mehr als 200 Grabhäuser und Grabzeichen ein vielfältiges Bild reichsstädtischer Gesellschaft. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmagistrat konnte die neue israelitsiche Kultusgemeinde kurz nach ihrer Gründung 1874 einen Begräbnisplatz unweit des städtischen Friedhofes erwerben. Kurz vor der Schließung fand 1954 die letzte Beisetzung statt. Angehörige ließen alte Gräber zum Teil auf den 1922 neu angelegten städischen Waldfriedhof umbetten. Trotz dessen sind noch viele alte Gräber und Grabmale auf dem historischen Friedhof erhalten geblieben.

Westertor

Bis 1647 bot sich das Westertor als hohes Satteldachtor aus dem 14. Jahrhundert dem Betrachter dar. Während der wochenlagen Belagerung am Ende des 30-jährigen Krieges wurde das Tor durch zahlreiche Kanoneneinschläge stark beschädigt. 1648 wurde die Stadtbefestigung wieder erneuert. Die heutige Form des Westertors geht auf das Jahr 1660 zurück. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Westertor steht ein großes Färberhaus mit offenen Balkenwerk im obersten Geschoss. Darstellungen zum Einzug des ersten Erntewagens nach der großen Hungersnot. 1816/17 belegten seine Funktion als Farbhaus der nahen Kattunfabrik. Memmingen zählte im 18. Jahrhundert neben Ulm und Hamburg zu den besten Ausbildungsplätzen in der Färberkunst. 1970 wird von 12 Färbereien im Stadtgebiet berichtet.

Blaue Saul (Marktplatz 8)

Die 'Blaue Saul' markiert einen wichtigen Abschluss dess Marktplatzes an einem Eckhaus, das mit seinen vorkragenden Stockwerken charakteristischer Bestandteil des Ansichtskartenmotives hinauf zur Pfarrkirche St. Martin ist. Als Pranger-so die weitläufige Meinung-hat sie nicht gedient, da schritliche Quellen des 15. Jahrhundert von einem Pranger in der Mitte des Platzes sprechen. Vielmehr hatte die 'Blaue Saul' die Funktion eines Radwagenabweisers. Sie zählt zu den sieben Wahrzeichen Memmingens. Die Geschichte darüber ist in der Biedermeinerzeit angesiedelt und handelt von einem betrunkenen Ratsmitglied . Als dieser zusammen mit dem Büttel auf dem heimweg war, hörten beide in der Ulmer Staße einen Handwerksburchen randalieren. Der Büttel wurde vorgeschickt, während sich der Ratsherr unterdessen an die farblich bis dahin unauffällige Säule lehnte. Als der Büttel zurückkehrt, fand er den Ratsherrn an der nun blau verfärbten Säule

Zollergarten

Der 1774 druch Bürgermeister Johann Jakob von Zoller in barocker Form und Ausstattung angelegt Privat-und Familiengarten samt Gartenhaus (Foto) und einer Reihe exotischer Früchte und Pflanzen ging per Vermächtnis der letzten Familienangehörigen Rosa von Zoller 1908 in den Besitz der Stadt über. Im Gartenhaus befindet sich seit 1996 die Geschäftstelle des Fichertagsvereins.

Martinskirche (Matin-Luther-Platz)

Memminger Aquarelle(Martinskirche)

Das ausgedehnte Quartie um St. Martin ist eines der ältersten der Stadt. Der Matin-Luther-Platz -bis 1529 Friedhof- ist seit jeher geistliches Zentrum der Stadt, mit Kinderlehrkirche, Antoniterkloster und Memmingens Hauptkirche St. Martin. Auf römischen Siedlungsspuren errichtet ist sie neben der Ulrichbasilika in Augsburg die größte Ziegelkirche Schwaben. Von hier nahm die Reformation in Gestalt des Predigers Dr. Christoph Schappeler ihren Ausgang. Gegenüber diesem religiös geprägten Bezirk finden sich Handelshäuser der Kaufmannschaft sowie die alte Stadtkanzlei an der Herrenstraße. Der Bau der Martinskirche begann um 926. Im Jahr 1214 übertrug Kaiser Friedrich II das Patronatsrecht den Antoniter. Bis ins 15. Jahrhundert wurde in der Kirche ein geschändete Wunderhostie aus dem Benninger Ried verehrt. Am Kirchenbau lassen sich mehrere Bauabschnitte ablesen. Die ersten fünf Joche stammen alle aus dem 14.Jahrhundert, sie bestechen vor allem durch die Varianten im Kämpfergesims und der Bogenlaibungen. Das fünfte und sechste Joch sind einfacher ausgeführt. 1489 baute man nach dem Abbruch zweier Häuser die beiden westlichen Joche. Als Erweiterung wurde unter Zuhilfenahme des ulmer Münsterbaumeisters Matthias Böblinger 1496 der Chor mit seinem dekorativen Sternnetzgewölbe errichtet. Am Übergang vom Langhaus zum Chor findet sich aus der Frühzeit der Memminger Reformation ein Kreuzaltar von 1531, ein Relikt der Zuwendung Memmingens zur Confessio Tetrapolitana. Das Innere dre Kirche ist relatv schmucklos, einzig Fresken (15. und 16. Jahrhundert) und Gemälde Johann Friedrich setzten farbliche Akzent. Die Darstellung von klugen und törichten Jungfrauen in der Chorlaibung wird Bernhard Strigel zugeschrieben, ebenso die Ausmalung der Zangmeisterkapelle. Der Passionszyklus an der Chorwand datiert ins Jahr 1585 und ist eine ausgezeichnetes Beispiel evangelisch geprägter Malerei. Das zeitlich erstellte 'Jüngste Gericht' (mit dem Memminger Wahrzeichen des 'Grünen Teufel') wurde 1813 übertünscht. Im 20. Jahrhundert wieder freigelegte Reste befinden sich auch oberhalb des erst 1845 eingezogenen neugotischen Scheingewölbes, duch das die Kirch fast vier Meter an Raumhöhe verlor. Nach einem Entwurf von Johann Friedrich Sichelbein fertigte Christoph Dittmar im Jahr 1700 die reichverzierte Kanzel. Seit 1998 füllt eine neue Orgel (Goll/Luzern) mit 4285 Pfeifen den Kirchenraum mit Musik

Siebendächerhaus (Am Lindentorstraße 7)

Memminger Aquarell Siebendächerhaus

Ins Jahr 1601 datiert ein Fachwerkbalken auf der Südseite des Siebendächerhaus. 1784 ist das Haus mit dem Beinamen zu den 'sieben Dächern' im Zuge eines Besitzwechsels erwähnt. Gerber wohnten und arbeiteten im Haus, dessen im 18. Jahrhundert verputztes Fachwerk erst um 1920 wieder freigelegt wurde. Die Dachflächen dienten zum trocknen des gegerbten Leder, wozu die Seitendächer und Öffnungen aufgeklappt wurden. Trotz schwerer Schäden durch das Bombardement am 20.April 1945 konnte die Fachwerkkonstruktion erhalten werden. Nach der Sanierung wurde das Haus 1948 zum Sitz und Namensgeber der Siebendächer-Baugenossenschaft.
Das Gerberhandwerk erfoderte einen aufwendigen Produktionsablauf, wie der von Mathias Natterer gestaltete Brunnen am Gerberplatz zeigt, Kellergewölbe, Lohngruben, Tockenboden und das Wasser aus Kanal oder Stadtbach-zahlreiche Faktoren spielten dabei eine Rolle, bis zu drei Jahren dauerte die Fertigung von Leder bei den Rot-oder Schwarzgerbern. Diese gerbten Rinderhäute mittels Lohe (Tannen und Eichenrinde). Die Weißgerber verarbeiteten in bis zu drei Monaten Kalbs-oder Schafshäute mit Alaun (waserhaltiges schwefelsaures Doppelsalz,das sogenannte Kaliumaluminiumsulfat). Um die Versorgung der Gerber mit Häuten sicherzustellen, durfte seit 1536 in einem Umkreis von 10 Meilen kein Zwischenhaldel mehr betrieben werden, Die Beschickung von Märkten bis nach Bozen zeugt vom regen Geschäftssinn der Gerber. Fabrikation und Umweltauflagen trugen im 20. Jahrhundert zum fast vollständigen Verschwinden dieses alten Handwerks bei.

Antonier-Orden

Hier finden sie ein ausführliche Beschreibung und Dokumentation über den
Antonierorden in Memmingen. Diese Dokumentation wurde aus vielen kleinen aufwendigen Recherchen im Stadtarchiv und anderen historischen Quellen zusammengetragen. Schauen sie rein, es lohnt sich !
Der Arbeitskreis bestand aus acht Schülern, die den Wahlunterricht "Pluskurs Geschichte" belegten.

Judenfriedhof

Nach der Ausweisung der Juden aus der Reichsstadt Memmingen im 15. Jahrhundert bildete sich erst in den 1860er Jahren wieder eine jüdische Gemeinde in Memmingen. Sie legte 1875 diesen Friedhof an. Der Ankauf des Grundstücks wurde von der Stadt Memmingen übernommen. 1893 ließ die Gemeinde den Friedhof ummauern. Das "Haus der Ewigkeit"-so die bei den deutschen Juden gebräuchliche Bezeichung für ihren Friedhof-umfasst 870 m² mit insgesamt 135 Gräbern. Die erste Beerdigung fand 1867 statt, die letzte 1986. Wie überall in Deutschland schändeten Nationalsozialisten diese jüdische Begräbnisstätte. 1942 warfen "Hitlerjungen" Grabsteine um. Seit 1943 wurde der Friedhof für Schwarzschlachtungen und Schuttablagerungen zweckentfremdet und an einen Bäckermeister zur Hühnerzucht verpachtet. Unter anderem ist hier der Bankier Albrecht Gerstle (1842-1921) bestattet. Der Vorstand der isrealitischen Kulturgemeinede war auch Mitglied im städtischen Kollegium der Gemeindebevollmächtigten. Nach jüdischer Tradition werden die Gräber nicht mit Blumen gechmückt. Die Einzelgräber sind in der Rheienfolge des Todesdatums angelegt. Familiengräber bildeten die Ausnahme.
Der jüdische Friedhof Memmingen befindet sich im Eigentum des Landesverband der isrealitischen Kulturgemeinde in Bayern und wird von der Stadt Memmingen gepflegt. Gruppenführungen sind nach Anmeldung bei Städtischen Kulturamt möglich (Ulmer Straße 19) Männer werden)

Storchennest (Kalchstraße 4)

Dass Strörche sich bereits 1600 hier niederließen, kann in alten Chroniken nachgelesen werden. Die Störche, die früher in großer Zahl das Benninger Ried (östlicher Vorort von Memmingen) bevölkerten, erkoren den geräumigen Kamin als einen beliebten Nistplatz. Alter und Bedeutung des Hauses für die Stadtentwicklung spiegelt sich in einer kleinen Randnotiz aus dem Jahr 1450 wieder, in der es als "Stainhaus" bezeichnet wird, während einfacherer Häuser überwiegend aus Fachwerk errichtet wurden. 1979/80 wurde das Haus grundlegend umgebaut.

Alpenrösle (Lindauer Straße 4)

Turbulente Zeiten erlebte Georg Wilhelm Zoller (gest. 1716) der hier wohnte, als er nach der Besetzung Memmingens durch bayerische und französiche Truppen 1702 den Status der Reichsunmittelbarkeit zu verteidigen hatte. Die Besatzung zog nach der Schlacht von Höchstätt 1704 ab, doch hatte die Reichsstadt noch viele Jahre an den finanziellen Problemen zu leiden. 1905 erwarb Gustav Ulmer die handbetriebene gasbeheizte Kaffeebrennerei samt "Colonial-und Spezereihandlung "Kaspar Meyer" und spezialisierte sich auf das Rösten und Veredeln von Kaffee und Tee. Als fortschrittlicher Kaufmann errichtete er nicht nur im Nachbarhaus eine elektrische Kaffeerösterei, er ließ sich auch einen der ersten Telefonanschlüsse in Memmingen legen. Oskar Ulmer modernisierte 1956 die Kaffeeröstanlage.

Frauenkirche
(Frauenkirchplatz 5)

Obwohl die erste Erwähnung erst 1258 erfolgte, geht die Frauenkirche vermutlich auf eine karolingische Gründung zurück. Den romanische Vorgängerbau- eine dreischiffige Basilika mit drei halbkreisförmigen Apsiden- wandelte man bei der Stadterweiterung Ende des 14. Jahrhundert in eine gotische Kirche um. 1455 erfolgte die Erweiterung des Langhauses und drei Jahre später begann der Neubau des Chores und die Einbeziehung des ursprünglich freistehenden Turmes. Nachdem es immer wieder zu Bränden durch Blitzschläge kam, entschloss man sich 1626 zur Umgestaltung des bis dahin spitzen, hohen Kirchturms. Die spätmittelalterlichen Fresken von Hans Strigel d.J. um 1470 gehören zu den besten im süddeutschen Raum. Im Apostelzyklus besticht die Gestaltung der Hauptfiguren. Anders verhält es sich mit der Secco-Malerei eines unbekannten Meisters an der Turmwand.
Nach dem 30-jährigen Krieg übermalt, wurde es 1890 ohne technische Hilfsmittel freigelegt und 1897 aufgefrischt.
Dabei ging die obere Farbschicht verloren,sodass heute nur noch die Grundierung zu sehen ist. Erzählt wird das Leben Marias. Der Mariengarten, der "Hortus conclusus", zählt mit seinen zahlreichen Symbolen und der Einhornjagd zu den anrührendsten Beispielen spätmittelalterlicher Malerei.
Der Heilig-Geist Orden hatte 1341 das Patronalsrecht über die Kirche erhalten und wollte auch nach Einführung der Reformation in der Reichsstadt nicht auf seine kirchlichen Rechte verzichten. Nach längjährigen Auseinandersetzungen wurde 1569 zwischen Reichsstadt und Orden ein Simultaneum vereibart. Der evangelischen Bürgschaft stand das Langhaus zu, während die erste Empore im Besitz des benachbarten Franziskanerinnenklosters stand und der Hochchor von den Kreuzherren zur Messfeier genutzt werden konnte. Das barocke Chorgestühl stammt von 1696. Hochaltar und Kanzel aus dem 19. Jahrhundert.

Metzgerzunft und ehemaliges altes Wirtshaus zum Schiff (Weinmarkt 10)


Die reichsstädtischen Metzger kauften 1487 das Haus und bestimmten es zum Gemeinschaftshaus ihrer Zunft, in der auch Hafner und Kuttler organisiert waren. Seit der Auflösung der Zünfte im frühen 19.Jahrhundert befindet sich das Gashaus Schiff der Brauerei Rittmayer in den Räumlichkeiten. Im benachbarten "Rittmayerischen Collosseum" wurden in den unruhigen 20er und 30er Jahren des 20.Jahrhunderts politische Reden geschwungen und teil gewalttätige Auseinandersetzungen ausgetragen. 1923 siedelte die Brauerei in einen Zweckbau am Kaisergraben aus.

Wirtshaus goldener Hasen (Schrannenplatz)


Der goldene Hasen ist ein alter Gasthof in Memmingen, erbaut 1782 von Friedrich Jakob Bilgram. Das Haus steht im ensemblegeschützten Bereich der Wegbachsiedlung. Dies geht aus einer Inschrift über dem Portal hervor, darüber zeigt ein Nasenschild einen goldenen Hasen. Das dreigeschossige, fünfachsige Haus trägt ein Mansarddach. Über den drei mittleren Achsen befindet sich ein eingeschossiges Zwerchhaus mit einem geschwungenen Giebel. Zwei von den stichbogigen Fenstern im Erdgeschoss haben schlichte Gitter. Die Tür mit Messingdrückern aus der Erbauungszeit ist geschwungen gefeldert. Über dem Portal befindet sich ein Wappenstein. Die Tordurchfahrt ist flach tonnengewölbt.

Quellenverweis: Auszüge aus Memmingen als Schlüssel zur Stadt von Sabine Rogg und Christoph Engelhard MAXIMILIAN DIETRICH VERLAG Weberstraße 36 D-87700 Memmingen Tel.: 0 83 31 / 28 53 FAX: 0 83 31 / 49 03 64 mail: info@maximilian-dietrich-verlag.de web: www.maximilian-dietrich-verlag.de